Ein Glasgeländer planen Sie in fünf Schritten: Befestigung wählen, Glasaufbau aus Verbundsicherheitsglas statisch festlegen, Höhe, Nutzlast und Handlauf klären, die Anforderungen innen oder aussen berücksichtigen und den Anschluss an den Rohbau abstimmen. Wann ein Geländer nötig ist und wie hoch es sein muss, regelt in der Schweiz die Norm SIA 358.

Ein Glasgeländer sichert eine Absturzkante und lässt trotzdem Licht und Aussicht durch. Ob im Atrium eines Bürogebäudes, an einer Treppe oder auf einer Dachterrasse: Damit das Geländer sicher ist und am Ende so aussieht wie im Entwurf, sollten fünf Entscheidungen früh feststehen. Dieser Beitrag erklärt sie am Beispiel des Systems GP Railing. Er richtet sich an Architektinnen und Architekten, Bauherrschaften und Generalunternehmer.
Wann braucht es ein Geländer?
In der Schweiz regelt die Norm SIA 358 «Geländer und Brüstungen», wo ein Absturzschutz nötig ist und welche Anforderungen er erfüllen muss, zum Beispiel an die Höhe, an Öffnungen und an den Schutz gegen das Hochklettern. Als Richtwert gilt: Ab einer Absturzhöhe von 1 m braucht es ein Geländer, und es muss in der Regel mindestens 1 m hoch sein. Hinweise für die Planung gibt auch die BFU, die Beratungsstelle für Unfallverhütung. Massgebend für Ihr Projekt sind die geltende Norm und allfällige kantonale Vorgaben.
Ein Ganzglasgeländer hat einen Vorteil, der oft übersehen wird: Es besitzt keine Querstreben, an denen man hochklettern könnte, keine Öffnungen zwischen einzelnen Stäben und keine scharfkantigen Elemente.
1. Die Befestigung wählen
Die Befestigung bestimmt, wie das Geländer wirkt und wie es an den Rohbau angeschlossen wird. GP Railing gibt es in vier Varianten:
| Befestigung | Prinzip | Typischer Einsatz |
|---|---|---|
| Seitlich im Profil | Das Glas steckt in einem Aluminiumprofil, das an der Stirnseite der Decke montiert wird. | Balkone, Terrassen, gerade Brüstungen im Innenbereich |
| Seitlich mit Punkthaltern | Runde Halter fixieren das Glas an der Stirnseite. | Treppen, Galerien und Balkone, innen und aussen |
| Auf der Oberfläche | Das Profil wird von oben auf die Decke montiert. | wenn das Geländer nicht an der Stirnseite befestigt werden kann |
| An der Kante | Das Profil wird an der Kante der Deckenplatte montiert. | je nach Deckenrand und Bodenaufbau |

Ein Profil ergibt eine durchgehende, ruhige Linie, und auf dem Glas sind keine Halter zu sehen. Mit Punkthaltern scheint das Glas vor der Stirnseite zu schweben, und eine Treppenwange aus Holz oder Stahl bleibt sichtbar. Die Profile sind eloxiert oder in einer RAL-Farbe erhältlich. Die Punkthalter gibt es in Chrom, Edelstahl, Messing, Schwarz oder ebenfalls in einer RAL-Farbe.
2. Den Glasaufbau festlegen
Bei einem Glasgeländer muss das Glas auch dann noch halten, wenn es gebrochen ist. Deshalb wird Verbundsicherheitsglas (VSG) verwendet: zwei Scheiben, die mit Folien verbunden sind. Bricht eine Scheibe, haften die Bruchstücke an der Folie und die zweite Scheibe hält weiter.
GP Railing verwendet VSG aus Einscheibensicherheitsglas (ESG) in vier Aufbauten: 88.2, 88.4, 1010.2 und 1010.4. Die Zahlen vor dem Punkt geben die Dicken der beiden Scheiben in Millimetern an, also 8 + 8 mm oder 10 + 10 mm. Die Zahl nach dem Punkt steht für die Anzahl der Folienlagen. Welcher Aufbau nötig ist, hängt von Höhe, Befestigung und Nutzlast ab und wird mit einer statischen Berechnung festgelegt.
3. Höhe, Nutzlast und Handlauf klären
| Kennwert | GP Railing |
|---|---|
| Maximale Höhe | 1300 mm |
| Horizontale Last | 1,0 kN/m |
| Glasaufbau | VSG aus ESG: 88.2, 88.4, 1010.2, 1010.4 |
| Klassifizierung | Kategorie B nach DIN 18008-4 |
| Prüfung | Linienlast und Pendelschlag am Institut für Bautechnik ITB (PN-EN 13049:2004, prEAD 090040-00-0404) |
| Referenzdokument | ITB-KOT-2021/1920 |
| Nutzungskategorien | A (Wohnen), B (Büro), C (Versammlung, ohne C5), D (Verkauf) |
| Profile | Aluminium eloxiert oder RAL |
Die horizontale Last gibt an, welche Kraft pro Laufmeter das Geländer auf Höhe der Oberkante aufnehmen kann, zum Beispiel wenn sich Personen anlehnen oder dagegen drücken. Welche Last in Ihrem Projekt gilt, legt die Tragwerksplanung nach SIA 261 fest. Ausgenommen ist die Kategorie C5, also Flächen, auf denen sich Menschenmengen drängen können: Dort werden höhere Lasten gefordert.
Die Norm DIN 18008-4 regelt absturzsichernde Verglasungen. Kategorie B bezeichnet dort unten eingespannte, tragende Glasbrüstungen, deren Scheiben durch einen durchgehenden Handlauf verbunden sind. Auf die Glasoberkante von GP Railing lassen sich Handläufe aus Edelstahl, Aluminium oder Holz setzen. Klären Sie früh, ob und welcher Handlauf vorgesehen ist: Er prägt das Bild des Geländers fast so stark wie die Befestigung.

4. Innen oder aussen
Im Innenbereich stehen Optik, Reinigung und der Anschluss an Treppe oder Galerie im Vordergrund. Aussen kommen Wind, Regen und Temperaturwechsel dazu:
- Windlast: Auf Balkonen und Dachterrassen wirkt zusätzlich der Wind. Auch diese Last gehört in den statischen Nachweis.
- Wasser: Wasser darf sich weder im Profil noch am Anschluss stauen. Klären Sie, wie das Profil entwässert wird und wie es an die Abdichtung anschliesst.
- Oberflächen: Eloxiertes Aluminium und Edelstahl sind für den Aussenbereich geeignet.
Die Punktbefestigung eignet sich für den Innen- und den Aussenbereich. Die Profilbefestigung wird vor allem auf Balkonen und Terrassen sowie im Innenbereich bei geraden Brüstungen eingesetzt.
5. Den Anschluss an den Rohbau planen
Ein Glasgeländer ist nur so sicher wie seine Verankerung. Klären Sie vor der Ausschreibung:
- Untergrund: Beton, Stahl oder Holz bestimmt die Art der Verankerung. Der Untergrund muss die Lasten aufnehmen können.
- Toleranzen: Die Stirnseite einer Betondecke ist selten ganz gerade. Das System muss solche Abweichungen ausgleichen können.
- Bodenaufbau: Auf Terrassen und Balkonen müssen die Höhe des Belags, die Abdichtung und das Gefälle zum Profil passen.
- Reihenfolge: Legen Sie fest, wann das Geländer montiert wird (vor oder nach dem Bodenbelag) und wer bis dahin die Absturzkante sichert.

Checkliste für die Planung
- Absturzhöhen ermitteln und mit der Norm SIA 358 abgleichen.
- Befestigung wählen: Profil oder Punkthalter, seitlich, auf der Oberfläche oder an der Kante.
- Nutzungskategorie festlegen und die Nutzlast mit der Tragwerksplanung klären.
- Glasaufbau statisch nachweisen lassen.
- Handlauf auf der Oberkante festlegen: ob, aus welchem Material und wie er die Scheiben verbindet.
- Aussen: Windlast, Entwässerung und Oberflächen berücksichtigen.
- Untergrund, Toleranzen und Bodenaufbau mit dem Rohbau abstimmen.
- Oberflächen von Profil und Haltern bemustern.
Wie Sie ein Geländer später im Leistungsverzeichnis beschreiben, zeigt unser Beitrag Glastrennwände ausschreiben. Der Aufbau mit Systembeschrieb, Nachweisen und Anschlüssen lässt sich auf Geländer übertragen.
Häufige Fragen zu Glasgeländern
Wie hoch muss ein Glasgeländer in der Schweiz sein?
Die Anforderungen regelt die Norm SIA 358. Als Richtwert gilt eine Mindesthöhe von 1 m ab einer Absturzhöhe von 1 m; massgebend sind die Norm und allfällige kantonale Vorgaben. GP Railing ist bis zu einer Höhe von 1300 mm erhältlich.
Welche Befestigungsarten gibt es für Glasgeländer?
GP Railing gibt es in vier Varianten: seitlich im Aluminiumprofil, seitlich mit Punkthaltern, mit Profil auf der Oberfläche und an der Kante der Deckenplatte. Die Wahl hängt von Optik, Rohbau und Einsatzort ab.
Welches Glas wird für Glasgeländer verwendet?
Verbundsicherheitsglas (VSG). Bricht eine Scheibe, haften die Bruchstücke an der Folie und das Geländer hält weiter. GP Railing verwendet die Aufbauten 88.2, 88.4, 1010.2 und 1010.4.
Was bedeutet 88.2 bei einem Glasgeländer?
88.2 steht für Verbundsicherheitsglas aus zwei Scheiben mit je 8 mm Dicke, verbunden mit zwei Folienlagen. Entsprechend besteht 1010.4 aus zwei 10-mm-Scheiben mit vier Folienlagen.
Braucht ein Glasgeländer einen Handlauf?
Das hängt vom System, von der Klassifizierung und vom Einsatzort ab. Klären Sie diese Frage zu Beginn der Planung, denn der Handlauf bestimmt das Bild des Geländers mit. Auf GP Railing lassen sich Handläufe aus Edelstahl, Aluminium oder Holz setzen.
Kann ein Glasgeländer im Aussenbereich eingesetzt werden?
Ja. Die Punktbefestigung ist für den Innen- und den Aussenbereich geeignet, die Profilbefestigung vor allem für Balkone und Terrassen. Aussen müssen zusätzlich Windlast und Entwässerung berücksichtigt werden.
In welchen Oberflächen sind Profile und Halter erhältlich?
Die Profile sind eloxiert oder in einer RAL-Farbe erhältlich. Die Punkthalter gibt es in Chrom, Edelstahl, Messing, Schwarz und in RAL-Farben.
Glasgeländer planen
Senden Sie uns Grundriss, Schnitt und Absturzhöhen. Wir schlagen Befestigung und Glasaufbau vor und stellen Ihnen Systemzeichnungen zur Verfügung. Technische Daten finden Sie in der Produktkarte (PDF) und unter Geländersysteme aus Glas, ausgeführte Projekte unter Referenzobjekte.
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Aktualisiert am 30.10.2026 · Redaktion GlassPro
Quellen und Normen
- SIA 358 – Geländer und Brüstungen
- BFU – Fachdokumentation «Geländer und Brüstungen» (Anwendung der SIA-Norm 358)
- Suva – Geländer: Absturzsicherung ab 1 m Absturzhöhe
- SIA 261 – Einwirkungen auf Tragwerke
- DIN 18008-4 – Glas im Bauwesen: Zusatzanforderungen an absturzsichernde Verglasungen
- EN 13049 – Pendelschlagversuch mit weichem, schwerem Stosskörper
- Produktkarte GS Railing, GlassPro 06.2024 (PDF)
